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Dezemberstress

Autor: Fabian | Datum: 17 Dezember 2013, 15:43 | 0 Kommentare

Fast einen Monat lang war mein Laptop nun kaputt. Doch jetzt habe ich netterweise von einem Freund ein neues Betriebssystem installiert bekommen und zum Glück konnten alle wichtigen Dokumente und Fotos gerettet werden.
Was ist in den letzten Wochen so passiert? 
Weihnachtsvorbereitung
 
Mit der Jugend  haben wir einen Tannenbaum aus 1,5 Liter Plastikflaschen gebaut. Das Skelett ist aus Bambus. Dabei ist mir ein imenser Einfallsreichtum und großes Geschick bei den Jungs aufgefallen. Aus Bambus haben die Konstruktionen gezaubert... unglaublich! Der Tannenbaum schmückt nun den Eingang zur Kirche und sorgt mit seiner Discokugel im Inneren für den richtigen Fleir. 
Weihnachtsstimmung kommt bei knapp 30 Grad und Regen noch nicht wirklich auf. Zudem gibt es nahezu keinerlei öffentliche Weihnachtsdekoration...warum auch in DEM muslimischen Land schlechthin? Die unzähligen kitschigen Plastiktannenbäume der Christen helfen da reichlich wenig. Doch auch hier gibt es den Weihnachtsmann in seinem roten Mantel und auch Schnee zählt hier zum Weihnachtsdesign....auch wenn 80% aller Indonesier bestimmt noch nie Schnee mitbekommen haben. Dass in einer Woche Weihnachten sein soll ist für mich noch unvorstellbar. Doch pünktlich seit dem 1.Dezember folgt eine Weihnachtsfeier auf die andere und einige sind wirklich schön aber andere auch sehr langgezogen und man freut sich nur aufs leckere Essen am Ende. 
 
Puworejo
Das bisher beeindruckenste Erlebnis in Indonesien sollte ein Besuch in einer anderen Stadt werden. Der neue, erste Pfarrer der Gemeinde Salatiga,Pak Heru, hat Markus und mich eingeladen, in seiner Heimatstadt einen Freund zu besuchen, der wiederum Schulleiter einer SMPN (staatliche Junior- Highschool) ist. Also machten wir uns an einem Dienstagnachmittag zu dritt plus Fahrer auf die 2,5 stündige Fahrt nach PUWOREJO, einer Provinzstadt westlich von Yogyakarta. Anfangs waren Markus und ich müde und nicht wirklich motivert, da wir nicht wussten was uns dort erwarten würde. Dass wir zwei Tage später in der Zeitung stehen würden, hätten wir bis dato niemandem abgekauft. Das einzige was wir im Vorhinein gesagt bekommen hatten war, dass wir an einer Schule ein bisschen Englisch unterrichten sollen. „Ihr braucht euch nicht vorzubereiten, das ist  kein großes Ding“. Im Auto haben wir dann jedoch von Pak Heru ein Foto gezeigt bekommen, auf dem man eine fertig vorbereitete, voll bestuhlte Aula gesehen hat. „Mein Freund hat 500 Eltern eingeladen, da könnt ihr euch dann morgen vorstellen.“ Buff. Das hat gesessen. 500 Leute? Wir? Auf Indonesisch? So mit Mikro und 1000 Augen auf einen gerichtet? So sollte es sein und deshalb haben Markus und ich nach der Ankunft und dem gemeinsamen Abendessen mit Pak Herus und seinem Freund Pak Agus noch bis 1 Uhr nachts eine kleine Rede vorbereitet. Diese wollten wir humorvoll halten und diente der gegenseitigen Vorstellung unsererseits. Morgens um 4:30h hieß es dann auch schon aufstehen, fertig machen und, wie von Pak Agus zeitlich genaustens geplant, erstmal sate ayam (Hühnerspieße) an einem ganz bestimmten Straßenwarung essen gehen. Anschließend gegen 7 Uhr ging es Richtung Schule. „Meine Kolllegen und Schüler freuen sich schon auf euch!“ Ja meine Freunde, und wie die sich gefreut haben. Als wir ankamen wurde zu unserer Verwunderung festliche Einmarschmusik abgespielt, die ersten Lehrer und Schüler standen schon brav in einer Reihe um uns zu begrüßen und als Highlight wurde extra ein Begrüßungplakat mit Markus‘ und meinem Namen gedruckt. Es ist wirklich nicht einfach mit einer so goßen, vorgelegten Ehre umzugehen. Baff von dieser Begrüßung schüttelten wir noch Tausende von Händen und stellten uns vielen Fragen über uns und Deutschland. 
Dann ging es für uns von Klasse zu Klasse, um uns den Schülern vorzustellen. Da  es uns mit Scherzen über den jeweils anderen gelang eine lustige Vorstellung darzustellen, hatten wir die Schüler schnell auf unserer Seite. Der zehn Meter kurzen Weg in die nächste Klasse war nicht ohne  Händeschütteln zulaufender Schüler machbar. Als Zeichen des Respekts vor Älteren führten die Schüler meine Hand stets zu ihrer Wange oder ihrer Stirn. Das ist hier so üblich und ist mir noch sehr, aber bemerkenswert. Nach ca. 20 Klassen war erstmal Zeit für eine Pause...doch kaum hatte man das erste Glas Wasser ausgetrunken, wurde uns traditionelle Kleidung  aus Purworejo und Yogyakarta zum anprobieren gegeben. Es war der letzte Schrei,  als wir uns so verkleidet nach Draußen wagten und Trilliarden Fotos mit uns geschossen wurden. Von „Bekomme ich deine E-Mail Adresse?“,über „Wie heißt du bei Facebook?“, bis hin zu „Findest du mich auch so toll wie ich dich?“ und sogar „Kannst du hier unterschreiben?“  wurden wir alles gefragt. Doch beim letzteren habe ich definitiv abgeblockt, ich kam mir zwar vor wie ein Star auf dem roten Teppich, doch das bin ich nicht. 
Später haben Markus und ich dann aufgeteilt um auch ein kleines bisschen etwas zu leisten. So haben wir jeder für sich in einzelnen Klassen spontan Unterricht gestaltet und die Schüler motiviert fleißig zu sein, um im Leben weit zu kommen und einen vernünftigen Beruf zu erlernen. Der Sppaß sollte nactürlich auch nicht fehlen, daher habe ich mit meinen Klassen Lieder auf Englisch einstudiert, „Alle meine Entchen“ gesungen und viele Fragen über die deutsche Kultur ausführlich beantwortet. Einige wollten auch wissen, wie man sich auf Deutsch selber vorstellt, deshalb habe ich es gleich mit Englisch verbunden und die typischen ersten Sätze wie „Mein Name ist...“,  „Ich komme aus...“, „Ich bin ... Jahre alt.“ usw. zunächst von Indonesisch auf Englisch übersetzten lassen und dann die Deutsche Version an die Tafel geschrieben. 
Dann waren da ja noch die ganzen Eltern, die auf uns warteten. Also schnell in die Aula und während noch eine kleine Infoveranstaltung lief ein bisschen Panik schieben,  aber dann unsere vorbereitete Rede vortragen und siehe da, wir haben überlebt. Ein Erlebnis für sich!
Nach der Schule ging es zunächst zur Post. Dort arbeitet die Frau von Pak Agus, die uns ganz persönliche Briefmarken geschenkt hat. Jetzt habe ich Briefmarken mit meinem eigenen Porträt drauf :D  Als sei das noch nicht genug gewesen, kam ein Journalist auf uns zu und hat Markus und mich über Grund und Ziel unseres Indonesierjahres gefragt. Am nächsten Tag standen wir dann prompt in einer überregionalen Tageszeitung...
Weiter ging es zu Pak Agus nach Hause, um zu duschen und sich für den Abend fertig zu machen. Den zweiten Abend haben wir bei einem der Lehrer geschlafen, der ein Haus in einem kleinen Dorf hat. Der Abend wurde mit vielen seiner Freunde und dem Dorfmeister, mit viel Essen und vielen Fotos verbracht. Es gab zwar Fisch zu essen, was ich seit Jahren nicht mag, doch ich war erstaunt wie gut der gebackene Fisch beim Abendessen geschmeckt hat, plötzlich mochte ich doch Fisch. Totmüde fielen wir dann gegen Mitternacht ins Bett.
Am Donnerstag waren wir ebenfalls an der SMPN (staatlichen Junior Highschool). Dort habe ich beim Sportunterricht mitgemacht. Unglaublich wie warm es morgens um 7.00 Uhr schon war! Zwei  Stunden Basketball spielen später wurden wieder Fotos gemacht und ein bisschen mit den total beeindruckten Schülern geplaudert.  Dann das ganze nochmal und der Schultag war schon so gut wie vorbei. Der Abschied von Lehrern und Schülern fiel mir nicht leicht, da diese Schule wirklich klasse ist. Als nächstes hatte Pak Agus sich für uns Mittagessen am Strand ausgedacht. Er hat uns zweieinhalb Tage wirklich rundum verwöhnt, hat uns immer gefragt ob alles gut ist und hat immer betont, diesen Besuch zu einem großen Erlebnis für uns zu machen. Das ist ihm auch wahrlich gelungen!  Beim Mittagessen mochte ich dann auch Fisch und Riesengarnelen, was wieder wirklich unerwartet lecker war. Dieser Nachmittag am Strand hat den zweitägigen Besuch perfekt abgerundet und wir konnten unglaublich an Erfahrungen bereichert nach Hause fahren. Wir wurden zwei Tage lang wie weiße Helden gefeiert, und das obwohl wir doch nur zwei junge Abiturienten sind, die das Privileg haben ein Jahr in einer völlig fremden Kultur zu leben und zu arbeiten. Wir haben noch so gut wie nichts erreicht und haben noch vieles vor uns. Doch in den Augen der Lehrer und Schüler galten wir alleine durch unsere weiße Hautfarbe und die Herkunft aus einem Industrieland als vorbildlich, sehr besonders und gebildet. Wenn meine Mama im April zu Besuch kommt, werde ich ihr hoffentlich diese Schule zeigen können und auch Puworejo an sich ist eine sehr schöne Stadt, umgeben von wahnsinnig großen Flächen an Nassreisfeldern.
 
So ich muss mich jetzt langsam fertig machen, es steht eine weitere Weihnachtsfeier an.. Bis Februar soll es hier noch Weihnachtsfeiern geben...na dann mal Haleluja.
 
Euer Fabian
 
 P.S: Neues Fotoalbum "Dezemberstress"!

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